Webliteralität und Webrhetorik
Vom Lesen und Schreiben im World Wide Web

Informationen über die Dissertation: “Webliteralität - Lesen und Schreiben im World Wide Web”.

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Kommunikation mit den Fingerspitzen

Welche kommunikativen Besonderheiten weist das World Wide Web gegenüber anderen Medien (kommunikativen Formaten) auf und wie lässt sich mit ihrer Hilfe der große Erfolg des World Wide Web erklären?

Der vorliegende Text, der einen leicht überarbeiteten Auszug aus der Dissertation „Webliteralität – Lesen und Schreiben im World Wide Web” von Jörg Dieter darstellt, beschäftigt sich mit dieser Frage und stellt dabei vier Qualitäten in den Vordergrund, die das World Wide Web anderen kommunikativen Formaten voraushat:

  • Das World Wide Web vereint die Eigenschaften übertragender und speichernder Formate und überwindet dadurch die zeitlichen und räumlichen Grenzen menschlicher Kommunikation.
  • Das World Wide Web vereint die Qualitäten multimedialer und schriftbasierter Formate und schafft damit neue Möglichkeiten des Ausdrucks.
  • Das World Wide Web kombiniert Vorzüge dialogischer und monologischer Formate miteinander.
  • Das World Wide Web verbindet Vorteile von individueller Kommunikation und Massenkommunikation.

Der Computer als Universalmaschine
Bereits ein allein stehender Computer ist ein relativ universelles Gerät zur Manipulation von Zeichen. Ist er mit der entsprechenden Software ausgerüstet, lassen sich mit seiner Hilfe Zeichen erzeugen, speichern und wiedergeben - z.B. können mit einem Textverarbeitungsprogramm Texte geschrieben, auf einem Datenträger konserviert und zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Monitor dargestellt oder ausgedruckt werden. Ähnliches ist mit Grafik- und Kompositionsprogrammen für Bilder und Klänge möglich. Durch die Möglichkeit, Zeichen zu speichern, hilft der Computer, die zeitlichen Beschränkungen menschlicher Kommunikation zu überwinden.

Da mit Hilfe eines Computers so viele verschiedene Zeichensysteme, wie Schriften, Symbolpaletten, gesprochene Sprache, Klänge, Bilder, Videos, etc. verarbeitet werden können, wird er mitunter auch als Multimediamaschine bezeichnet. Für die Speicherung und Verarbeitung der verschiedenen Zeichensysteme stehen dabei verschiedene technische Formate zur Verfügung. Es gibt Dateiformate für Grafiken, für Texte, für Klänge, etc. und Programme, die in der Lage sind, Zeichen in diese Formate umzuwandeln. Auch das HTML-Format gehört zu diesen Dateiformaten. In diesem Format können Texte gespeichert und multimediale Elemente mit Hilfe ihres URI eingebunden werden. Bei der Darstellung der HTML-Dateien im Browser ist jedoch nicht mehr sichtbar, dass Texte und Multimediaelemente in verschiedenen Dateien gespeichert sind. Die Webseite mit ihren Texten und Grafiken erscheint wie eine Einheit.

Das Websiteformat ist dabei nicht das einzige Format, das in der Lage ist, ganz verschiedene Zeichensysteme miteinander zu verbinden, auch im Fernsehen ist dies beispielsweise möglich. Allerdings werden im Websiteformat die Stärken der Multimedialität mit den Stärken der Schriftbasiertheit kombiniert. Im Fernsehen ist eine Einbindung von Schrift in großem Umfang kaum machbar, weil der Betrachter die Geschwindigkeit des Programms nicht beeinflussen kann. Da der Nutzer im World Wide Web eine Seite jedoch betrachten kann, so lange er möchte, stellt hier die Kombination von Schrift und multimedialen Elementen kein Problem dar. Dadurch können ganz neue Formen des Ausdrucks und der Kommunikation entstehen.

Die Wirkung der Kombination unterschiedlicher, zum Teil dynamischer Zeichensysteme, ist noch lange nicht abschließend untersucht. So stellt sowohl die Komposition als auch die Rezeption dieser Zeichenkonglomerate eine große Herausforderung dar, die leicht zur Überforderung werden kann. (vgl. Schmitz, Ulrich: Schriftliche Texte in multimedialen Kontexten. In: Weingarten, Rüdiger (Hg.): Sprachwandel durch Computer. Opladen und Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1997, S. 131-158, S. 132ff)  Diese Schwierigkeiten in der Rezeption und Produktion zeigen, wie wichtig es ist, ein fundiertes Verständnis des Websiteformats und seiner Wirkung zu entwickeln.

Bei der Bedienung des Computers werden bislang bevorzugt sensorische Eingabekanäle, sprich Tastatur und Maus, verwendet. Die Bedienung des Computers über einen akustischen Eingabekanal ist in Erprobung, hat jedoch noch viele Kinderkrankheiten und ist aus diesem Grund kaum verbreitet. Als Hauptausgabekanal wird in der Regel der Monitor als optischer Kanal benutzt; dieser kann mittels Lautsprecher durch einen akustischen Kanal unterstützt werden. Der Benutzer hat dabei in der Regel den Eindruck, durch seine Eingabe den Ausgabekanal direkt zu manipulieren: durch das Tippen auf der Tastatur direkt auf den Bildschirm zu schreiben oder durch das Bewegen der Maus den Mauszeiger zu verschieben. Der Umwandlungsprozess, der zwischen Ein- und Ausgabe stattfindet, bleibt dem Nutzer in der Regel verborgen und wird ihm nur im Falle seines Scheiterns bewusst. (vgl. Prokopczuk, Klaudia und Tiutenko, Arthur:
Text im Hypertext. Ein Textlinguistischer Blick auf die Informationsgestaltung im Internet)

Bereits die technischen Formate, die der unvernetzte Computer zur Verfügung stellte, wirkten auf kommunikative Formate zurück, die nicht computerbasiert waren. Man vergleiche nur die mit Schreibmaschine geschriebenen wissenschaftlichen Arbeiten der Vorcomputerära mit Arbeiten, die mit Hilfe des Computers layoutet und bebildert wurden, wie sie heute gang und gäbe sind. Und auch die Formate im Bereich des Films und der Musik haben sich in einer Weise verändert, wie es ohne Computer nicht möglich gewesen wäre.

Die Überwindung von Raum und Zeit
Der vernetzte Computer stellt eine Erweiterung des allein stehenden Computers dar. Mit seiner Hilfe kann neben der zeitlichen auch die räumliche Beschränkung menschlicher Kommunikation überwunden werden. Auf vernetzten Computern setzen eine ganze Reihe von kommunikativen Formaten auf, wie E-Mail, FTP, Chat und natürlich das Websiteformat. War es früher üblich, auf die einzelnen Formate mit unterschiedlichen Programmen zuzugreifen, so können sie heute alle mit Hilfe des Browsers verarbeitet werden, dessen ursprüngliche Aufgabe lediglich die Darstellung von Websites war. Websites nehmen im Reigen der Kommunikationsformen, die auf vernetzten Computern beruhen, insofern eine Sonderstellung ein, als sie in der Lage sind, die anderen Formate zu integrieren.

Das Websiteformat verbindet die Vorzüge von Formaten zur Übertragung (z.B. Radio und Fernsehen) und Speicherung (z.B. Zeitschriften und Bücher) von Zeichen. Die Kommunikation ist dabei örtlich und zeitlich entkoppelt. Soweit die notwendigen technischen Vorrausetzungen gegeben sind, kann zu jeder Zeit und von jedem Ort der Welt auf die ganze Vielfalt des World Wide Web zugegriffen werden. Bereits 1967 beschrieb der Medientheoretiker Marshall McLuhan die Auswirkungen elektronischer kommunikativer Formate sehr treffend und führte die bis heute viel zitierte Metapher vom „globalen Dorf“ ein: „Ours is a brand-new world of allatonceness. ‘Time’ has ceased, ‘space’ has vanished. We now live in a global village...a simultaneous happening.” (McLuhan, Marshall und Quentin Fiore: The Medium is the Massage. New York: Bantam Books 1967, S. 63.)

Für die Auswirkungen des Websiteformats gilt diese Aussage noch mehr als für andere kommunikative Formate, die gegenüber dem Websiteformat deutliche Einschränkungen aufweisen. So sind Radio und Fernsehen über Satellit zwar auch weltweit verfügbar, man kann zu einem gegebenen Zeitpunkt jedoch nur auf die gerade ausgestrahlten Programme zugreifen und nicht auf das gesamte Programmangebot. In Zeitschriften und Büchern wird zwar das ganze Angebot parallel bereit gehalten, um darauf zugreifen zu können, muss man sich aber zunächst an einen der Orte begeben, wo die entsprechenden Bücher und Zeitschriften vorhanden sind.

Im Websiteformat ist es darüber hinaus möglich, das Informationsangebot aktuell zu halten. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass alte Inhalte verloren gehen. Oftmals werden alte Inhalte von ihren Produzenten in einem Archiv bereitgehalten. Dass im Web alle Informationen ständig verfügbar gehalten werden, ist eine seiner größten Stärken, die aber auch zu Problemen führen kann. So wird es für den Nutzer in diesem ständig wachsenden Ozean von Informationen immer schwieriger, das zu finden, was er eigentlich sucht.

Kommunikation ohne Grenzen?
Mit Hilfe des Websiteformats können Zeichen gespeichert werden, über Computernetze können diese Zeichen übertragen und an anderer Stelle wiedergegeben werden. Die Erzeugung von Zeichen durch den Nutzer zum Zeitpunkt der Rezeption ist zum jetzigen Zeitpunkt auf vielen Websites nicht möglich, da die notwendigen Zugriffsrechte verweigert werden. Auch in den meisten Browserprogrammen sind entsprechende Funktionen nicht vorgesehen. Um dieses Defizit auszugleichen sind häufig E-Mail-Formulare, Gästebücher, Foren und Chaträume in Websites eingebunden; sie bieten die Möglichkeiten zur Zeichenerzeugung, welche das Websiteformat selbst vermissen lässt.

In Form des sogenannten Web 2.0 bildet sich in letzter Zeit eine immer stärker werdende Gegenbewegung zu dieser vorwiegend rezeptiven Nutzung des World Wide Webs heraus. Der Nutzer hat dabei die Möglichkeit, die genutzten Seiten aus dem Browser heraus in einem mehr oder minder großen Umfang mitzugestalten. Ein wichtiges Beispiel dafür ist
die freie Enzyklopädie Wikipedia, deren deutschsprachige Version inzwischen auf die beachtliche Zahl von 607192 Artikeln angewachsen ist. Diese Artikel können von den Nutzern nicht nur gelesen werden. Es können auch jederzeit neue Artikel hinzugefügt oder bestehende Artikel verändert werden. Das Prinzip der Selbstkontrolle der Benutzer untereinander scheint dabei gut zu funktionieren, wie sich an der ausgezeichneten Qualität der meisten Artikel ablesen lässt.

Auch Websites, die hauptsächlich rezeptiv genutzt werden, geben dem Benutzer in der Regel das Gefühl, einen Dialog zu führen. Auf Webseiten wird der Nutzer oft direkt angesprochen und zu Handlungen aufgefordert: „Klicken Sie hier!“ Mitunter werden die Besucher einer Website sogar begrüßt: „Willkommen auf meiner Homepage!“ und verabschiedet. Zudem reagieren Webseiten auf die „Äußerungen“ des Nutzers in Form von Mausklicks mit der Anzeige neuer Webseiten, die vom Nutzer wiederum als „Äußerungen“ interpretiert werden können. Darüber hinaus scheinen Suchmaschinen Fragen zu beantworten und Eingaben in Formulare werden bemängelt oder bestätigt. Diese Dialogizität ist aber nur eine scheinbare. Tatsächlich ist das Websiteformat ebenso monologisch angelegt wie ein Lexikon mit Querverweisen. Wie beim Verfolgen eines Schlagwortes in einem Lexikon, führt das Anklicken eines Links auf einer Website oder das Eingeben eines Wortes in ein Formular oder eine Suchmaschine lediglich dazu, dass eine vorher determinierte HTML-Seite angezeigt wird oder Daten aus einer Datenbank abgerufen und auf dem Bildschirm dargestellt werden.

Obwohl das Websiteformat keine Dialoge mit Personen, sondern nur mit Texten und anderen vorgefertigten Zeichenanhäufungen ermöglicht, neigen Menschen, die mit Hilfe des Computers kommunikative Handlungen ausführen, auf Grund der Komplexität seiner Reaktionen dazu, ihn als einen Dialogpartner zu sehen, (vgl. Holly, Werner und Habscheid, Stephan: Die sprachliche Aneignung von Computermedien - Vorstellung eines Projekts. In: Kallmeyer, Werner (Hg.): Sprache und neue Medien. Berlin und New York: de Gruyter, 2000, S. 127 – 141, S. 127ff), ein Eindruck, der durch die enge Verknüpfung von Websites mit wirklich dialogischen Kommunikationsformen, wie E-Mail und Gästebücher noch verstärkt wird. Ich möchte das Websiteformat aus diesem Grund als pseudodialogisch bezeichnen. (vgl. Runkehl, Jens; Schlobinski, Peter und Siever, Torsten: Sprache und Kommunikation im Internet. Überblick und Analysen. Opladen und Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 1998, S. 210.)

Diese Pseudodialogizität ist nicht unbedingt als Nachteil zu werten. Dem Websiteformat gelingt es damit, einige Vorteile monologischer und dialogischer kommunikativer Formate zu vereinen. Monologische Formate erlauben es dem Rezipienten nur in sehr beschränkter Weise zwischen verschiedenen Inhalten auszuwählen. Er muss rezipieren, was ihm präsentiert wird und kann lediglich die Art der Rezeption beeinflussen. Die Stärke monologischer Formate ist dabei ihre Verbindlichkeit, gleichgültig, ob es sich um Formate zur Speicherung von Zeichen, wie Bücher und Zeitschriften oder um Formate zur Zeichenübertragung wie Radio und Fernsehen handelt. So kann man sich auf die Inhalte monologischer Formate entweder auf Grund der großen Rezipientenzahl bei den übertragenden oder durch ihre ständige Verfügbarkeit bei den speichernden Formaten mit relativ großer Sicherheit beziehen. Dialogische Formate hingegen erlauben es dem Rezipienten durch seine Beiträge zum Kommunikationsprozess die Inhalte, die ihm präsentiert werden, entscheidend mitzubestimmen. Allerdings bieten dialogische Formate nur wenig Sicherheit in dem Sinne, dass die stattfindenden Rezeptionsprozesse in der Regel nicht wiederholbar sind. Das Websiteformat bietet dem Rezipienten einen Zugang, der in seiner Flexibilität und Steuerbarkeit dialogischen Formaten nahe kommt und gleichzeitig die Sicherheit, diesen Rezeptionsvorgang beliebig wiederholen und sich auf ihn beziehen zu können (solange die entsprechende Website nicht geändert wird), weil er auch von anderen durchgeführt werden kann.

Über diese Pseudodialogizität hinaus bietet das Websiteformat Schnittstellen zu wirklich dialogischen Formaten. Auf vielen Websites ist es möglich, über E-Mail, Chat oder Gästebücher in direkten Kontakt zu Seitenerstellern, Experten oder anderen Besuchern der Seite – und somit aus der anonymen Masse der Nutzer heraus – zu treten. Auf diese Weise wird im Websiteformat die Grenze zwischen Massenkommunikation und individueller Kommunikation immer mehr aufgelöst. Durch die Möglichkeit, sich auf Websites anzumelden und als bekannter Kunde oder Benutzer zu identifizieren, erreicht das Internet dabei einen Grad der Intimität, die keine andere Form der Massenkommunikation besitzt.

Schließlich steht es jedem frei, selbst Websites zu erstellen und im World Wide Web zu veröffentlichen. Die Produktionskosten sind sehr niedrig und Kontrollinstanzen wie beim Publizieren von Büchern oder Zeitschriften gibt es fast keine. Dadurch kann das Websiteformat auch denjenigen eine Stimme bieten, denen aus finanziellen oder institutionellen Gründen der Zugang zu anderen kommunikativen Formaten verschlossen bleibt. Besonders in Form sogenannter Web-logs, besonders einfach gestalteter vom Aufbau her Tagebüchern ähnelnder Websites, sind in zunehmendem Maße alternative Sichtweisen auf aktuelle Geschehnisse zugänglich. (vgl. Ito, Joichi:
Weblogs and Emergent Democracy. Edited by Jon Lebkowsky. Version 3.2.)

In der besonderen Verbindung von breiter und individueller Kommunikation, die das Websiteformat ermöglicht, stecken aber auch eine ganze Reihe von Gefahren:

  • Durch die Möglichkeit, fast ohne Einschränkung im World Wide Web zu publizieren, ist die Qualität und der Wahrheitsgehalt von Webangeboten oft fraglich. Die an die Kontrollinstanzen anderer Formate gewöhnten Benutzer müssen erst lernen, wie man die Verlässlichkeit von Quellen im World Wide Web beurteilt.
  • Durch die fehlende Kontrolle gibt es gewaltverherrlichende, pornografische oder in anderer Weise anstößige Websites, gegen die wegen seines dezentralen Aufbaus kaum vorzugehen ist.
  • Die scheinbare Intimität, die das Einloggen auf Websites bietet, kann naive Benutzer dazu verleiten, Informationen über sich preiszugeben, die von unseriösen Seitenbetreibern weitergegeben und missbraucht werden können.

Insgesamt bietet das Websiteformat kommunikative Möglichkeiten, die kein anderes bestehendes kommunikatives Format aufweisen kann. Die Nachteile, die es gibt, lassen sich durch die Entwicklung der notwendigen Kompetenzen auf Seiten der Nutzer zu einem großen Teil aufheben und fallen deshalb im Vergleich zu den Vorteilen, die das Websiteformat bietet, nur wenig ins Gewicht.

Multifunktionalität
Da das World Wide Web zumindest in den Industrieländern überall verfügbar und in seiner Anwendbarkeit so flexibel ist, beginnt es immer mehr Funktionen zu übernehmen, die bisher in anderen kommunikativen Formaten beheimatet waren.

  • So finden sich Websites, die Nachrichten bieten und die Funktionen von klassischen Zeitschriften und Nachrichtensendungen übernehmen; dabei wird vermehrt auch Audio- und Videomaterial präsentiert. Diese Nachrichtenseiten können ständig aktualisiert werden und bieten so dem Nutzer die Möglichkeit, sich unabhängig von festgelegten Sendezeiten über die Themen zu informieren, die ihn gerade interessieren.
  • Andere Websites übernehmen die Funktion von Prospekten und Katalogen, wobei ein Katalog im Websiteformat den Vorteil hat, dass man die dargestellten Produkte mit einem Klick bestellen kann.
  • Mit der zunehmenden Verbreitung des Websiteformats wurde es auch für die Werbewirtschaft interessant, welche die Möglichkeit schätzt, im World Wide Web relativ günstig und außerdem zielgruppenspezifisch werben zu können, da sich die Darstellung von Werbebannern beispielsweise mit den Suchworten verknüpfen lässt, die Nutzer in einer Suchmaschine eingeben.
  • Es gibt immer mehr Zeitschriften, die einen Ableger im Websiteformat besitzen oder sogar ausschließlich im Websiteformat erscheinen. Dazu gehören vermehrt auch wissenschaftliche Publikationen, die auf diese Weise teure Produktions- und Versandkosten sparen und oftmals ein größeres Publikum erreichen als im Printformat.

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. So finden sich Websites, welche die Funktionen von Anzeigenseiten, Tagebüchern, Telefonbüchern, Fahrplänen, Lexika etc. übernehmen, die zuvor in anderen kommunikativen Formaten beheimatet waren. Dabei bietet das Websiteformat in fast allen Fällen Vorteile gegenüber der Umsetzung der Inhalte in anderen Formaten. Die Inhalte stehen nun jederzeit, an jedem Ort und oft kostenlos zur Verfügung und können mit Hilfe von Suchmaschinen gezielt nach den gewünschten Informationen durchsucht werden. Kommunikative Formate wie E-Mail oder Foren, die an das Websiteformat angegliedert sind, bieten zusätzlich die Möglichkeit, direkten Kontakt zu den Produzenten der Websites oder zu anderen Websitebesuchern aufzunehmen.

Zunächst wurden Texte aus anderen Formaten oft ohne große Veränderung in das Websiteformat übertragen. Mehr und mehr werden sich die Produzenten von Websites – und auch ihre Auftraggeber – jedoch der besonderen Stärken des Websiteformats bewusst und stellen diese bewusst in den Vordergrund, so dass sich langsam Formen entwickeln, die dem Websiteformat wirklich angemessen sind.

Das Websiteformat macht jedoch nicht halt vor der Übernahme von Funktionen anderer kommunikativer Formate. Auch Funktionen von Orten und Personen werden in das Websiteformat integriert.

  • So finden sich im World Wide Web Einkaufszentren für alle möglichen und unmöglichen Dinge. Auf Grund von eingesparten Personalkosten sind diese dort oft billiger zu haben, als im realen Geschäft um die Ecke und werden oft sogar kostenlos ins Haus geliefert.
  • Eine besondere Form des Einkaufens im World Wide Web bieten die Auktionshäuser, die man dort besuchen kann. Hier können Dinge ersteigert, aber auch eigener Besitz versteigert werden.
  • Auch der Bibliotheksbesuch wird oft durch eine Webrecherche ersetzt. Im World Wide Web lassen sich die Kataloge von unzähligen Bibliotheken online durchsuchen. Viele Klassiker, deren Copyright abgelaufen ist, aber auch zahlreiche wissenschaftliche Aufsätze sind im Volltext zugänglich. Auf der US-Website des Amazon Buchversands lassen sich inzwischen praktisch alle angebotenen Bücher im Volltext durchsuchen und einzelne Seiten können zum Probelesen auf den eigenen Rechner geladen werden.
  • In Form von Foren, die dem Websiteformat häufig angegliedert sind, findet ein reger Austausch von Meinungen und Informationen zu allen nur denkbaren Themenbereichen statt und es ist möglich Antworten und Ratschläge von Experten zu bekommen, die ohne das World Wide Web kaum erreichbar wären.

Bei den vielen Funktionen, die das Websiteformat aus anderen Bereichen übernommen hat, kommen immer wieder dieselben, bereits erwähnten Qualitäten zum Tragen, die es anderen kommunikativen Formaten voraushat. Das Websiteformat

  • vereint die Eigenschaften übertragender und speichernder Formate und überwindet dadurch die zeitlichen und räumlichen Grenzen menschlicher Kommunikation,
  • vereint die Qualitäten multimedialer und schriftbasierter Formate und schafft damit neue Möglichkeiten des Ausdrucks,
  • kombiniert Vorzüge dialogischer und monologischer Formate miteinander,
  • verbindet Vorteile von individueller Kommunikation und Massenkommunikation.

In den vorhergehenden Absätzen ging es vor allem darum, die Vorzüge des Formats herauszustreichen um seinen überwältigenden Erfolg verständlich zu machen. Dass durch die Übernahme gesellschaftlich relevanter Funktionen in das Websiteformat auch viele Probleme entstehen, soll hier jedoch nicht verschwiegen werden. Eines der gravierendsten ist, dass eine immer größer werdende Kluft entsteht, zwischen denjenigen, die in der Lage sind, kompetent mit dem Format umzugehen und denjenigen, denen der Zugang dazu verschlossen bleibt. Dies ist ein wichtiger Grund dafür, sich mit dem Lesen und Schreiben im Websiteformat detailliert auseinander zu setzen und zu überlegen, wie auch diejenigen einen Zugang zu diesem immer wichtiger werdenden kommunikativen Format erhalten können, denen es im Moment noch verschlossen bleibt.

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© Dr. Jörg Dieter 2007 – Kontakt: webmaster@webrhetorik.de - Bearbeitet: 19.01.2008

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